St. Marien

Katholische Kirchengemeinde im Bremer Westen

In dem Augenblick, wo sich das Jahr 2006 dem Ende zuneigt, ist es auch Zeit, sich von der St.-Marien-Gemeinde, so wie sie die letzten 47 von insgesamt 108 Jahren bestanden hat, zu verabschieden. Und wie das so ist am Ende eines Jahres oder am Ende einer Zeit, man schaut zurück auf das, was gewesen ist.

Hundert Jahre Gemeindegeschichte sind in dem Buch „100 Jahre St. Marien" beschrieben, aber was danach kam, war nicht weniger spannend und interessant. Betrachtet man zurückblickend die letzte Dekade der Mariengemeinde, dann sind Wörter wie Umbruch und Wandel häufig benutzte Vokabeln. Außerdem ist es bemerkenswert, wie die Geschichte der Katholiken im Bremer Westen auch heute noch zusammenhängt mit der Geschichte, mit der Entwicklung des Stadtteils. Aufbruch zu neuen Ufern auf beiden Seiten, aber kein Zurück zu alten Zeiten.

Als 1996 der Umbruch in St. Marien begann mit dem Priesterwechsel und der Schaffung des Gemeindeverbundes mit St. Bonifatius, war auf der anderen Seite gerade die Zuschüttung eines Hafenbeckens im Gespräch. Als 1998 die schon im Vergleich zu ihrem Ursprung stark veränderte Mariengemeinde ihr hundertjähriges Bestehen feierte, vollzog sich im Stadtteil der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Das damals im Bau befindliche Walle-Center veranschaulichte diese Veränderung.

Und es ging weiter mit den „Umbrüchen" sowohl in baulicher Hinsicht als auch im Leben der Gemeinde, und das in einem Tempo, das für frühere Generationen kaum vorstellbar gewesen wäre. Parallel dazu lief der Veränderungsprozess im Bremer Westen: Da die Ansiedlung des Großmarktes auf dem Areal des zugeschütteten Überseehafens, hier die gelungene Renovierung und Veränderung der St.-Marien-Kirche im Einklang mit der Liturgie wie sie heute verstanden wird. Letzteres wird auch heute noch im Bistum als beispielhaft herausgestellt.

Die „Noten für Bremens Politiker, Stadtplaner und Wirtschaftsexperten fielen zu der Zeit nicht so gut aus: Die Entwicklung des Space Parkes und dessen Scheitern brachte den Bremer Westen lange Zeit in die Negativschlagzeilen.

Umso wichtiger war das Projekt „Überseestadt". Als diese langsam begann, erkennbare Gestalt anzunehmen, begann für die Mariengemeinde in Gemeinschaft mit den anderen drei Gemeinden des Bremer Westens das nächste Großprojekt, das in der Verantwortung von Pastor Robert Wagner durchgeführt wurde. Der „Pastorale Raum Bremer Westen" diente als Modell für die Gemeindezusammenlegungen, die im Bistum Osnabrück anstanden. Was da im März 2004 als Modellversuch begonnen wurde, ist dann schnell von der Realität überholt worden, und bereits ab dem 1. Januar 2007 sind der „Pastorale Raum Bremer Westen" und die neue St.-Marien-Gemeinde Wirklichkeit.

Wo bleibt, könnte man fragen, da noch Zeit für die Seelsorge? „In Zeiten von weniger Personal und knappen Budgets weiterhin christliche Akzente setzen und die frohe Botschaft in die Stadt hineintragen", wie es Pastor Robert Wagner formulierte. Ein gelungenes Beispiel dafür, dass dies möglich ist, war die Gründung der Hospizgruppe „Ysop". Diese Gruppe wurde Ende 2003 im Gemeindeverbund in Zusammenarbeit mit der Psychologin Mechthild Schöller-Stindt und vielen Ehrenamtlichen auf den Weg gebracht. „Ysop" widmet sich als einzige christliche Gruppe in Bremen der Trauer- und Sterbebegleitung. Ein weiteres Beispiel für Seelsorge, die manchmal kaum so registriert wird, ist die Tätigkeit von Pastoralreferentin Anja Egbers als Notfallseelsorgerin.

Diese und weitere Beispiele wie die gute und engagierte Zusammenarbeit, die sich in den letzten Jahren zwischen Gemeinde und Schule, Kindergarten und Jugendhilfe entwickelt hat, lässt hoffen, dass sich auch ab morgen der „Pastorale Raum Bremer Westen" und damit die neue Gemeinde St. Marien ebenso gut entwickeln werden wie hoffentlich das Projekt „Überseestadt". Das alles geht natürlich nicht von heute auf morgen und so sollten alle Beteiligten für 2007 den guten Vorsatz haben: Geduld!