St. Marien

Katholische Kirchengemeinde im Bremer Westen

6. Januar 1985 - Abschied von Pfarrer Rotermann

Tränen flossen bei vielen Gläubigen der katholischen St. Bonifatius-Gemeinde, als es hieß, von ihrem beliebten Pfarrer Bernhard Rotermann Abschied zu nehmen. Nach relativ kurzer Amtszeit von drei Jahren wurde Pfarrer Rotermann mit der Leitung der Doppelgemeinde St. Hedwig/St. Laurentius, Bremen-Vahr, beauftragt.

Im Abschiedsgottesdienst am Dreikönigstag (6. 1.) machte er seiner Gemeinde noch einmal deutlich, um was es ihm in der kurzen Zeit gegangen sei: Glauben als Suchen aufzuzeigen und Unglauben als Steckenbleiben. Hauptaufgabe der drei Jahre sei es gewesen, den Glauben nicht als Haben und Besitzen, sondern als Auf-dem-Weg-sein wie bei Abraham und den drei Weisen zu vermitteln. Und auf das Evangelium vom Dreikönigstag eingehend, wies Rotermann darauf hin, dass man vielen Sternen folgen könne, dem der Vernunft, des Gefühls, der Macht oder der Ideologie. Die aber führten in die Irre. „Unser Stern ist ein Stern des Glaubens, der Vernunft und Gefühle miteinander versöhnen kann, der Macht und Ideologie jedoch als Irrsterne entlarvt".

Für Pfarrer Rotermann war es, wie er selbst sagte, immer besonders wichtig, den Glauben im Feiern der Eucharistie und der übrigen Gottesdienste zum Leuchten, zum Fühlen, zum Probieren zu bringen. Er habe versucht, nicht nur Pfarrer für die Gläubigen, sondern vor allem Christ mit ihnen zu sein.

Dieses Miteinander-Christ-sein hat nicht nur Spuren in der St. Bonifatius-Gemeinde hinterlassen. So war es kein Wunder, dass auch die Herren Pastoren Daske und Oßenkop sowie Herr Meyer vom Vorstand der Martin-Luther-Gemeinde zum Abschied gekommen waren. Die gemeinsam gestalteten Wortgottesdienste, die ökumenischen Gesprächsabende und das Zusammenwirken beider Chöre hatten In den vergangenen Jahren die Menschen beider Gemeinden einander näher kommen lassen.

Deshalb sprach Pastor Oßenkop beim Abschiedsempfang vielen aus der Seele, als er in seiner Rede feststellte, „dass es nicht nur den Bonifatiern nicht passte, sondern, überhaupt nicht passt', dass Pfarrer Rotermann aus Findorff weggeht". Es passe auch nicht mit dem Evangelium des Tages zusammen, denn dort sei nicht nur vom Aufbruch, sondern von der Ankunft am rechten Ort die Rede".

Die traurige Abschiedsstimmung wurde schließlich durch eine fröhliche Rede des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Rudi Gabriel etwas aufgelockert. Mit seinen Vergleichen aus der Vogelwelt schilderte er die drei gemeinsamen Jahre mit Pfarrer Rotermann. Schon von Anfang an habe man es herausgehabt, dass mit diesem Pfarrer ein besonderer Star in die St. Bonifatius-Gemeinde eingeflogen war. Er schilderte ihn als einen fröhlichen, liebenswürdigen, mitfühlenden, hilfsbereiten, aufmerksamen, geduldigen und gastfreundlichen Menschen. Sein Ideenreichtum und seine Begeisterungsfähigkeit hätten die Gemeinde mitgerissen. So kam es, dass viele Aktivitäten neu belebt wurden. Auch liturgisch sei Pfarrer Rotermann eine Kapazität gewesen. In den hervorragend vorbereiteten Gottesdiensten passte einfach alles: Die Texte, die Predigt und nicht zu vergessen die passenden Lieder. Zu allem war er noch ein musikalisches Genie mit der Stimme einer Nachtigall. Alles hätte so schön bleiben können, wenn nicht diebische Elstern gekommen wären, die gern auch solch einen Star haben wollten. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende bedankte sich für die drei gemeinsamen, erfüllten Jahre und für den unermüdlichen Einsatz des scheidenden Pfarrers. Er wünschte ihm Gottes Segen für seine neue Aufgabe und gab ihm die Gewissheit mit auf den Weg, dass, wenn er einmal flügellahm sei und das Gefieder nicht mehr so schillernd strahlte, er sich darauf verlassen könne, dass er In Findorff Immer noch ein Nest hätte, in das er wie ein Zugvogel zurückkehren könnte.