St. Marien

Katholische Kirchengemeinde im Bremer Westen

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„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!“ (Jesaja 7,9)

Diese Aufforderung findet sich im Buch des Propheten Jesaja, der zwischen 740 und 710 v.Chr. in Juda wirkte. Es ist ein deutliches Wort. Wenn wir es anders formulieren, könnte man auch sagen „Wenn ihr nicht glaubt, dann habt ihr keinen Bestand!“ Mich trifft diese knappe Formulierung des Propheten ins Herz.

Worauf setze ich eigentlich mein Vertrauen? Habe ich mich wirklich festgemacht in Gott? Oder ist der Glaube einfach nur schmückendes Beiwerk für die besonderen Ereignisse in meinem Leben? Jesaja spricht diese Worte zum damaligen König von Juda, zu Ahas. Er sieht sich bedroht von den Königen der Syrer und Israels (Israel war zu der Zeit geteilt in ein Nordreich, Israel, und ein Südreich, Juda). Er hat Angst. Wir erleben Bedrohung vermutlich weniger von menschlichen Feinden oder von anderen Ländern. Es sind vielleicht manchmal auch die inneren „Feinde“, die uns bedrohen, oder ein Virus, das die Welt zu bestimmen scheint. Was immer es auch sein mag, ich glaube, auch wir dürfen uns die Worte des Jesaja zusagen lassen, wenn er zu Ahas spricht: „Hüte dich und verhalte dich still! Fürchte dich nicht und dein Herz sei nicht verzagt wegen dieser beiden rauchenden Holzstummel“, womit er die fremden Könige meint. Jesaja ruft Ahas auf, sich nicht auf einen Deal einzulassen, sondern auf Gott zu setzen. „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!“ Für uns bedeutet „glauben“ im allgemeinen Sprachgebrauch oft nur „meinen“, für den Israeliten bedeutet es zugleicht „Sichersein“. Die Wortwurzel für „glauben“ und „sichersein“ ist das Wort „aman“, wir kennen es als „Amen“ und beten es immer wieder. Wer glaubt, darf sich sicher fühlen. Es ist keine Selbstsicherheit, kein sich verlassen auf die eigenen Kräfte und Stärken. Es ist ein sich verlassen auf einen anderen, auf Gott. Und –natürlich – der Glaube wird schon so manches Mal in meinem, in unserem Leben auf die Probe gestellt. Das geht nicht einfach so „glatt“, da sind wir immer wieder neu in die Entscheidung gestellt.
Übrigens kommt die Verheißung der Geburt des „Immanuel“ direkt im Anschluss an diese Aufforderung zum Glauben. Für uns Christen ist der menschgewordene Sohn Gottes, ist Jesus dieser „Immanuel“, Gott-mit-uns. Wenden wir uns an ihn: Jesus, in dir finden wir Halt, in dir finden wir Sicherheit auch in den Stürmen unseres Lebens. Du beruhigst unser Herz, wenn wir Angst haben vor all dem, was uns als „Bedrohung“ umgibt. Gib uns Zuversicht und Mut, stärker unsere Vertrauen und unsere Glaubenskraft. AMEN.

von Pastor Josef Fleddermann (Pfarrbrief Februar 2021)