St. Marien

Katholische Kirchengemeinde im Bremer Westen

Weltgebetstag 2014 21Als die Frauen des ägyptischen WGT-Komitees mit der Arbeit an ihrer Gottesdienstordnung begannen, ereignete sich 2011 der „Arabische Frühling“. Die politische Lage Ägyptens hat sich seither mehrfach geändert. Doch die Bitten und Visionen der Schreiberinnen bleiben hochaktuell: Alle Menschen in Ägypten, christlich und muslimisch, sollen erleben, dass sich Frieden und Gerechtigkeit Bahn brechen, wie Wasserströme in der Wüste! (Jes 41,18ff.) Auch die Forderungen der ägyptischen Revolution bleiben aktuell: Brot, Freiheit, menschliche Würde und soziale Gerechtigkeit! Am Weltgebetstag – und darüber hinaus – haben wir uns diesen Anliegen angeschlossen. Unser Gebet gehört dazu und auch unser Handeln.

Zu den diesjährigen Vorbereitungen für den Weltgebetstag trafen sich die Diakonissenschwestern, evangelische und katholische Frauen aus Oslebshausen und Gröpelingen. Schon oft haben die meisten aus dem Vorbereitungsteam für die Weltgebetstagsfeier zusammengewirkt. Die gemeinschaftliche Arbeit bereitete wieder viel Freude.

Am 7. März, wurde der Gottesdienst zum Weltgebetstag in der St.-Josef-Kirche, Bremen-Oslebshausen, gefeiert.  An diesem Freitag wanderten – wie jedes Jahr am 1. Freitag im Monat März – viele Gebete und Lieder um unseren Erdball…

Während der Feier besuchten uns 4 „Ägypterinnen“. Sie verkörperten die Vielfalt der Lebens-situationen von Frauen in Ägypten heute und die Bedeutung der Geschichte ihres Landes.

Von 3 weiteren Frauen wurde der Bibeltext Joh 4,4-30; 39-42 szenarisch dargestellt.

In unserem Gottesdienst war immer wieder die Rede vom Wasser, von Wasserströmen, vom lebendigen Wasser.

Die Bedeutung des Wassers für die menschliche Existenz ist für die Ägypter seit Jahrtausenden eine andauernde Erfahrung. Sein Vorhandensein bzw. sein Fehlen prägt ihr Land, denn es besteht zu 96% aus Wüsten. Den Rest bildet die Stromoase des Nils.

Ägypten ist ein Wüstenland mit vielen Wasserproblemen und einem großen Durst nach Leben. Wasser ist Luxus, die Frischwasser- und Abwasserleitungen sind alt und undicht, das Nilwasser verseucht. Obwohl bekannt ist, dass das Wasser des Nils krank macht, sind viele Menschen auf den Nil angewiesen. Gerade in der breiten Landbevölkerung gibt es kaum Alternativen.

Der 25. Januar 2011 (Arabischer Frühling) ist schon eine Weile her, und die Menschen erleben die jetzige Zeit wieder als Wüstenzeit. Auch die Nahrungs- und Energieversorgung im Land ist eine Katastrophe. Frauen sind auf dem Tahrir-Platz vergewaltigt oder bei Demonstrationen sogar von Polizisten angegriffen worden. Die Religionen werden wieder zum Spielball unterschiedlichster Machtinteressen, der Graben wird noch größer gegraben, was die Feuer in unzähligen Kirchen und Gebäuden und die Tausende von Toten bezeugen. Im Laufe der Zeit ist es immer schwerer geworden, ein Leben nach der Revolution zu gestalten – derzeit sogar schwerer als vorher.

Wasser vom Himmel, fließe zur Erde, du gibst der Schöpfung Wachstum und Kraft.
Wasser der Quelle, ströme zum Meer hin, dir gleicht mein Leben, mündet in Gott.
Wasser der Wüste, brich aus dem Felsen, Gott will dich tränken, Volk auf dem Weg.
Wasser des Lebens, sprudelnder Quellgrund, Christus, du Wahrheit, still meinen Durst.

Sechs neue Lieder in deutscher, englischer und arabischer Sprache begleiteten uns durch den Weltgebetstag.

Mit dem seit vielen Jahren gesungenen bekannten Lied „Der Tag ist um, die Nacht kehrt wieder“ beendeten wir den Gottesdienst.

Anschließend nahmen alle an einem ägyptischen Essen teil.

Fotos: Jutta Konowalczyk-Schlüter und Waltraud Jackwerth