St. Marien

Katholische Kirchengemeinde im Bremer Westen

Zum Abschied gab’s einen „Flummi“ für Pfarrer Robert WagnerPetrus schein ein Marianer zu sein oder zumindest hegt er Sympathien für die St.-Marien-Gemeinde, denn entgegen der langfristigen Wettervorhersagen hielt er die Schleusen des Himmels geschlossen am Nachmittag des 15. Juli. An die vierhundert Menschen kamen an diesem Sonntag in die Marienkirche an der Ecke Steffensweg/St.-Magnus-Straße, um an der Verabschiedung von Pfarrer Robert Wagner, der die Gemeinde nach fast 16 Jahren in Richtung  Bad Rothenfelde verläßt, teilzunehmen.

Die heilige Messe zelebrierte der scheidende Pfarrer gemeinsam mit seinen Amtsbrüdern Propst Dr. Martin Schomaker und Pastor Martin Luttmann sowie den Diakonen Michael Wiegandt und Matthias P. Brauer. Robert Wagner hatte in der Predigt – die er gemeinsam mit Propst Schomaker hielt – das Sonntagsevangelium (Markus 6, 7–13), das von der Aussendung der Apostel handelt und wie maßgeschneidert zum besonderen Anlaß passte, aufgegriffen und die drei zentralen Begriffe verkündigen, zuwenden, heilsam sein, herausgearbeitet.

Pfarrer Wagner zog in seiner ihm eigenen humorvollen Art zunächst den Vergleich zwischen der Zeit als die Apostel ausgesandt wurden und nichts als den Wanderstab mit auf den Weg nahmen. „In den nächsten Tagen steht bei mir der Möbelwagen vor der Tür, und ich weiß nicht, ob man da noch einen Anhänger dranhängen muss.“ Der Seelsorger stellte sich die Frage, „was nehme ich nach 16 Jahren aus Bremen mit“ und drückte dabei seine Dankbarkeit aus für Menschen, die ihm in Bremen „auf Zeit“ zur Seite gestanden haben.

Propst Martin Schomaker ging im zweiten Abschnitt der Predigt zunächst auf das Verkündigen ein und erwähnte den vielfältigen Einsatz des Pfarrers in der Verkündigung „im pastoralen Team, im Zueinander der Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, im Einsatz für das Dekanat als stellvertretender Dechant und auf Bistumsebene als Vertreter im Priesterrat“. Weiter sagte der Propst: „Neben dem zentralen Zeugnis des Lebens kommt dann das Zeugnis des Wortes. Pfarrer Wagner hat Freude an der Sprache, ihm ist die Verkündigung in der Predigt wichtig, seine Gedanken sind dadurch geprägt, dass er zunächst die Situation gründlich bedenkt und analysiert. Seine Tätigkeit als Supervisor ist ihm dafür eine große Hilfe.“

Zum Begriff Zuwendung hob der Propst hervor, dass Robert Wagners pastorales Handeln von seiner Grundhaltung geprägt ist, „Menschen auf Augenhöhe zu begegnen“. „Heilsam sein“, so Martin Schomaker, bedeutet den Menschen Mut machen, Gott zu vertrauen, die eigenen Fähigkeiten wahrzunehmen und die Kraft der kleinen Gruppen zu sehen, und dies in einer Atmosphäre, in der Menschen einander wertschätzen. „Für eine solche Atmosphäre hat Pfarrer Wagner vielfach gesorgt.“

Robert Wagner kam dann noch einmal auf die Frage zurück, was nehme ich mit und zeigte drei Gegenstände, die für ihn Symbolcharakter haben. Als erstes ein Kreuz, das er sich im Alter von 12, 13 Jahren gebastelt hat, und das ihn bisher an jedem Ort seines Lebens begleitet hat. „So lange wie in Bremen war ich noch nie an einem Ort, selbst nicht im Elternhaus, also wird’s doch langsam Zeit.“ Zweiter Gegenstand ist die Figur des kleinen Denkers von Auguste Rodin, der den Priester daran erinnern soll, dass man auch den Kopf gebrauchen, nachdenken darf und mit Vernunft arbeitet. Ein Esel ist der dritte symbolische Gegenstand, er erinnert ihn daran, dass er einfach mal nur Lasten durch die Gegend schleppen, tragen muss. „Ich wünsche uns allen“, so der Pfarrer am Schluss seiner Predigt, „dass unsere Wege getragen sind von dem der uns mit Namen kennt, dass er uns Kraft gibt, dass wir froh sind, unseren Verstand einsetzen zu dürfen und dass unsere Hände auch in Zukunft da sind wo sie gebraucht werden“.

Der Gottesdienst, vor dem Pfarrer Robert Wagner, wie er sagte, ähnlich aufgeregt war wie bei seinem Primizgottesdienst, wurde mitgestaltet vom Kirchenchor St. Marien, der Flötengruppe, der Musikgruppe und der Jugendband von St. Josef. Mitgefeiert haben den Gottesdienstes auch viele Ordensschwestern und Priester, unter ihnen St. Mariens ehemaliger Pastor Daniel Brinker. Nach dem Gottesdienst gab es von vielen Gruppierungen „Danksagungen“ an den scheidenden Pfarrer. Die Moderation lag dabei in den Händen von Pastoralreferent Johannes Gebbe, der dies so kompetent machte, wie es nur ein gelernter Ministrant kann. Auch Günter Jauch und Thomas Gottschalk haben ihre Karriere mal als Messdiener begonnen.

Den Anfang dabei machte die Flötengruppe St. Marien mit einem selbstgetexteten Lied nach der Melodie des Kinderliedes Biene Maja. In dem heiteren Lied, das die Kirchenbesucher mitsangen, hieß es: „Kleiner grauer Theologe Wagner, zieht mit Carla in die Welt, predigt dort, wie’s ihm gefällt“, und zum Schluss: „Danke, . . . für diese schöne Zeit!“

Als nächstes bedankten sich Kinder und Mitarbeiterinnen der Kita St. Marien. Kita-Leiterin Anja Terbrüggen bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und hob hervor, dass Robert Wagner „mit Freude und Gelassenheit auf die Kinder eingegangen“ sei. Die Kinder hatten ein paar Geschenke dabei für den Seelsorger, was Kinder eben so meinen, was man an wichtigen Dingen mit auf die Reise nehmen sollte. Dazu gehörten unter anderem ein Teddy, eine Taschenlampe und ein Flummi, bei dem der Pfarrer seine Fitness unter Beweis stellen konnte, als er ihn wieder „einfangen“ musste. Für die Kinder gab es anschließend als Dankeschön einen Korb voller Süßigkeiten

St. Marien hat zwei Kindergärten, und auch die Mitarbeiterinnen der Kita St. Nikolaus ließen es sich nicht nehmen, ihren Pfarrer zu verabschieden und sich bei ihm zu bedanken. Sie taten dies mit einem selbstgetexteten Lied nach der Melodie des Schlagers „Mit 66 Jahren“. „Warst immer für uns da und hast uns unterstützt, mit Gefühl und Herzenswärme und manchmal auch mit Witz“, hieß es in diesem musikalischen Vortrag.

Auch die portugiesische Gemeinde war an diesem Sonntag zahlreich vertreten. Maria Pimenta, die schon die erste Lesung in portugiesischer Sprache gehalten hatte, bedankte sich im Namen ihrer Landsleute bei Robert Wagner mit einem riesigen „Fresskorb“ mit portugiesischen Spezialitäten, der für die ersten Tage in Bad Rothenfelde gedacht ist, und von dem sprichwörtlich eine ganze Kompanie satt werden könnte. Maria Pimenta dankte für das Zugehen auf die portugiesische Gemeinde und für sein großes Engagement bei der Überführung der Fatima-Madonna von St. Nikolaus nach St. Marien. Abschließend gab es ein Ständchen von der portugiesischen Gemeinde.

Wie international und multikulturell St. Marien und darüber hinaus die Katholiken in Bremen sind, zeigten die nächsten Dank sagenden. Zunächst zwei  Frauen aus Eritrea in ihrer Landestracht. Die Vertreterinnen der afrikanischen Christen, die am Standort St. Bonifatius Gottesdienst feiern, kamen mit Geschenken rund um das Brot. Zum Brot als Zeichen der Gemeinschaft gab es noch Honig dazu als Dank dafür, dass die eritreischen Christen bei uns immer willkommen waren. Zwei Geistliche der russisch-orthodoxen Gemeinde in Bremen statteten anschließend ihren Dank ab. Sie feiern ebenso wie die Eritrer in St. Bonifatius ihre Liturgie und erwähnten besonders die christliche Nächstenliebe, die sie hier erfahren. Von ihnen bekam Pfarrer Wagner eine kleine Ikone geschenkt.

Pastor Hartmut Strudthoff von der benachbarten Wilhadigemeinde „gegenüber“ ließ noch einmal die vergangenen Jahre Revue passieren und betonte die gute ökumenische Zusammenarbeit der Nachbargemeinden. Als „Mittel gegen das Heimweh“ gab es Wein aus dem Bremer Ratskeller. Robert Wagners Weinkeller füllte sich dann immer mehr: Günther Hoffmann vom Kirchenchor St. Marien bedankte sich für die gute Zusammenarbeit nämlich ebenfalls mit Ratskellerwein.

Auch die Küsterinnen und der eine Küster wollten ihrem „Chef“ den Dank für die gute Zusammenarbeit abstatten. Sie taten das mit einem Pilgerstab, den sie ihm allerdings vorerst nur leihweise überließen. „Wir kommen nach St. Elisabeth (Bad Rothenfelde) und holen ihn wieder ab.“ Nach ihnen war das Seelsorgeteam dran mit einem Lied, begleitet von Pastor Martin Luttmann auf der Gitarre. „Gott segne deinen Weg“ gaben sie ihrem Pfarrer musikalisch mit auf die Reise ins Osnabrücker Land und überreichten ihm für seinen Weg auch noch einen Spazierstock.

Der Pfarrgemeinderatsvorstand schenkte Pfarrer Wagner ein Zelt für die Zeit, in der er in seiner neuen Pfarrei „noch obdachlos ist“. Verbunden war dies Geschenk mit einer humorvollen Aufbauanleitung, welche die Zusammenarbeit der vergangenen Jahre dokumentierte. Eine kurzweilige „Vesper“ inklusive geistiger Getränke (Acryl) veranstalteten Ulrike Kehlbeck-Staats, Andrea Johanning und Inga Müller. Unter dem Motto „Der Robert war unser Hirte, er begleitete treu uns viele Jahre“ ließen die drei die Amtszeit des Pfarrers humorvoll im Gleichnis von Hirte und Herde noch einmal vorüberziehen und leiteten dabei auf das Abschiedsgeschenk der Gemeinde, einen Sessel, über. Der kurzweilige Vortrag schloß mit den Worten „Glück und Segen sei dem Robert und der Carla (seinem Hund) und unserer Gemeinde, wie am Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit, Amen.“ Doch das war noch nicht genug, zum guten Schluss sangen die drei ihm dann noch ein Abschiedsständchen nach der Melodie „Großer Gott, wir loben dich“ und bekamen viel Applaus vom amüsierten Publikum.

Einem sichtlich gerührten Pfarrer Robert Wagner fiel nach diesen vielen Abschieds- und Dankreden zunächst nur noch ein Wort ein: „Dankeschön“. Dann aber blickte auch er noch einmal zurück auf seine Zeit in St. Marien und verband dies mit vielfältigem Dank an Mitarbeiter und Gemeinde. Das letzte Wort hatte dann Moderator Johannes Gebbe: „Das war’s!“

Während drinnen noch fleißig die Reden gehalten wurden, Abschied gefeiert wurde, waren draußen im Pfarrgarten und auf dem Kirchplatz viele fleißige Helfer dabei, für das leibliche Wohl der Gäste zu sorgen. An insgesamt vier Ständen sorgten sie dafür, dass alle Teilnehmer genug zu essen und zu trinken bekamen und diesen Tag entspannt ausklingen lassen konnten. Ach ja, Petrus’ Solidarität mit St. Marien hielt dann nur noch bis halb acht Uhr, da begann es zu regnen.