St. Marien

Katholische Kirchengemeinde im Bremer Westen

„Bahnt dem Herrn einen Weg“ – Adventskonzert in St. Marien„Bahnt dem Herrn einen Weg” war das Motiv für das Konzert des Kirchenchores St. Marien am vierten Adventssonntag, 18. Dezember. Einen Weg bahnen mußten sich zunächst die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores. Anders als im Buch Jesaja (40,3), aus dem dieser Vers stammt, allerdings nicht durch die Wüste, sondern nur durch den „Glaskasten” an der Marienkirche, wo sie eine halbe Stunde vor Konzertbeginn bereits auf zahlreiche wartende Besucher trafen. Das Konzert war „ausverkauft” könnte man sagen, wenn die Veranstaltung des Chores denn Eintritt gekostet hätte. Es mussten sogar noch zusätzliche Stühle in der Kirche aufgestellt werden.

Chorvorstand Günther Hoffmann begrüßte die Besucher und wünschte ihnen, dass die Musik mit dazu beitragen könnte, sie „auf die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus vorzubereiten”. Thomas Engler an der Orgel stimmte die Zuhörer mit dem Hymnus de Adventu Domini, einem viersätzigen Stück von Samuel Scheidt, auf die nächsten zwei Stunden ein.

Fünf Lieder bot der Kirchenchor dar, darunter „O du, die Wonne verkündet in Zion” aus dem Messias von Händel. Das Solo in diesem Stück wurde erhebend dargeboten von Ulrike Bartens und Marlies Börger. Begleitet wurde der Chor dabei und auch weiterhin vom Orchester, bestehend aus Hans Helmut Desch und Carola Dreher (1. Geige), Gernot Jaenike und Christian Oberlinger (2. Geige) sowie Hans Dehning (Viola) und Olga Kuhlemann (Cello). Hans Dehning war kurzfristig für seine erkrankte Tochter Frauke eingesprungen. Thomas Engler verließ während der Darbietungen des Chores seinen Platz auf der Empore und begleitete die Sängerinnen und Sänger an der Truhenorgel. 

Nach dem „Londoner Trio Nr. 2” von Joseph Haydn, von Ines Helms (Cel-lo), Conny Kruppa (Altblockflöte) und Cäcilia Wigand (Querflöte), vorgetragen, wurde es lebhaft. Kinderchor und Flötengruppe der St.-Marien-Schule hatten ihren großen Auftritt mit vier Liedern. Erfreulich, dass aus dem „Mädchenchor” des vergangenen Jahres inzwischen ein gemischter Chor geworden ist. Gäbe es – wie im Theater – einen Vorhang in der Kirche, so hätte er viele Male auf- und zugezogen werden müssen bei dem vielen Beifall, mit dem das Publikum die Schülerinnen und Schüler bedachte.

Stimmgewaltig und anspruchsvoll präsentierte sich die Schola St. Marien unter der Leitung von Patrick George nach der Pause. Bereits bevor die letzten Töne des „Hallelujah” verklungen waren, setzte der Applaus der Konzertbesucher für die zwölf Mitglieder der Sängergruppe ein. 

Das Orchester spielte die „Pastorella” des österreichischen Komponisten Gregorio Werner. Bei dieser Aufführung war nichts davon zu merken, dass Hans Dehning vorher nicht mit den anderen Streichern üben konnte. Auch wurde so manchem Zuhörer bei dieser Darbietung klar, was er oder sie im letztjährigen Adventskonzert vermißt hatten: das Orchester.

Ein sehr motivierter Kirchenchor St. Marien bot vier Lieder dar, begleitet von Orchester und Truhenorgel, und sang dann gemeinsam mit allen beteiligten Gruppen „Friede sei mit dir”. Dass das pünktliche Ende des Adventskonzertes – von Chorleiter Patrick George vorher angekündigt – dann doch nicht eingehalten werden konnte, war ganz im Sinne des Publikums, so konnte der Hörgenuss noch ein wenig verlängert werden. Langanhaltender Beifall belohnte nach dem Schlusslied „Macht hoch die Tür” alle Mitwirkenden für die vielen Übungsstunden, die sie im Vorfeld des Konzertes geleistet hatten. 

Ein Hauch von Wehmut war in der Kirche zu spüren als Patrick George bekanntgab, dass er im nächsten Jahr „aus persönlichen Gründen nach zwölf Jahren“ als Dirigent und Leiter des Kirchenchores St. Marien nicht mehr zur Verfügung steht. Vielleicht steht ein „Nachwuchsdirigent” aus dem Publikum bereit, der von seinem Platz in der Kirchenbank bei einigen Stücken den imaginären Taktstock schwang. Allerdings kann das noch etwas dauern, denn das hoffnungsvolle Talent befindet sich noch im Kindergartenalter. Zwei gute Nachrichten noch zum Schluss: Patrick George bleibt der St.-Marien-Gemeinde zumindest als Leiter der Schola erhalten, und „die Tradition der Adventskonzerte wird fortgesetzt“.