St. Marien

Katholische Kirchengemeinde im Bremer Westen

Ich will in eurer Mitte wohnen!Priesterweihe und Primizgottesdienste

„Helmut, wir kommen!” Dieser Ankündigung ließen die Marianer am Samstag, 30. Mai, Taten folgen: 55 Gemeindemitglieder fuhren am frühen Morgen im Bus nach Osnabrück. Fast ebenso viele taten es ihnen per Bundesbahn oder Pkw gleich. Obwohl eine Stunde vor Beginn der Priesterweihe in der Bischofsstadt angekommen, waren nur noch wenige Plätze in den Seitenschiffen des Doms frei.Den guten Zuspruch der Gläubigen bestätigte auch Bischof Franz-Josef Bode um 9.30 Uhr zu Beginn des Gottesdienstes, der unter dem Leitspruch „Ich will in eurer Mitte wohnen” (Lev 26,11) stand. Als er die Gäste begrüßte, sprach er beeindruckt davon, daß er den Dom selten so voll gesehen hätte wie an diesem Tag.

Der Osnabrücker Oberhirte drückte seine Freude darüber aus, daß er gleich vier junge Männer zu Priestern weihen konnte. Dazu kamen noch zwei weitere Diakone aus dem Bistum, die bereits in Rom zu Priestern geweiht worden waren und auch im Bistum Osnabrück eingesetzt werden können. Franz-Josef Bode konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken, als er weiter ausführte, dass ein aus Osnabrück stammender Kandidat nach Münster „abgegeben wurde”, weil die Osnabrücker es nicht ertragen konnten, dass das Bistum Münster sonst weniger Neupriester als das eigene Bistum gehabt hätte. Aber ernsthaft: Das Jahr 2009 mit insgesamt sechs Neupriestern im Bistum Osnabrück ist „absoluter Ausreißer”, wie Pastor Robert Wagner betonte. Im nächsten Jahr wird es nur einen Diakon geben, der zum Priester geweiht wird.

Nach der Predigt des Bischofs  begann die Weihe der vier Kandidaten im mit um die tausend Teilnehmern übervollen Hohen Dom zu Osnabrück. Für viele Anwesende aus unserer Gemeinde war dies die erste Priesterweihe, die sie miterlebten. Anrufung des Heiligen Geistes, Versprechen der Weihekandidaten, die Allerheiligen-Litanei, Handauflegung durch alle anwesenden Priester und Weihegebet waren die Abschnitte bis zum Anlegen von Stola und Kasel, der Salbung der Hände und der Überreichung von Brot und Wein. Dann umarmten der Bischof und die konzelebrierenden  Priester die Neupriester als Zeichen der Besiegelung der Weihe.

Zum Abschluß der nach der Weihe fortgeführten Eucharistiefeier erklang „Nun danket alle Gott”, und dann wurde gefeiert auf einem Empfang im Garten des Bischöflichen Priesterseminars. Bei strahlendem Sonnenschein unter wolkenlosem Himmel bildeten sich lange Menschenschlangen, die geduldig anstanden, um die „frischgebackenen“ Priester zu beglückwünschen. Es wurde gegessen und getrunken, und viele Gläubige nutzen die Gelegenheit, um sich im Gespräch auszutauschen mit den aus den verschiedenen Gemeinden angereisten Teilnehmern und den Familienangehörigen der vier Neupriester.

Für die mit dem Bus angereisten Marianer war das Fest um 13.15 Uhr beendet, und es ging in eineinhalbstündiger Fahrt zurück nach Bremen. Und das in dem Bewußtsein, etwas Besonderes erlebt zu haben, für das sich das frühe Aufstehen gelohnt hatte. Eine Neuigkeit, auf die schon alle gespannt waren, gab es allerdings noch auf der Heimfahrt zu hören, als bei einem der Mitfahrenden das Handy klingelte: Bischof Franz-Josef Bode, der am Schluß der Weihehandlung gesagt hatte, dass ihn die vier neuen Priester an die vier Evangelisten erinnerten, indem sie in alle vier Himmelsrichtungen aufbrechen, um das Evangelium zu verkünden, hatte den jetzigen Kaplan Helmut Schumacher – von Osnabrück aus gesehen – nach Osten geschickt, und zwar nach Melle  in den Gemeindeverbund von Melle, Buer und Sondermühlen.  Dort trifft er dann ab August auf Pastor Michael Wehrmeyer, der ihm ja aus seinen ersten vier Diakonatsmonaten in St. Marien bestens vertraut ist.

Am Tag nach der Weihe, Pfingstsonntag, 31. Mai, fuhren einschließlich der Pastoren Robert Wagner – der zusammen mit Propst Martin Schomaker den Primizgottesdienst mitzelebrierte – und Daniel Brinker ein Dutzend Marianer in Fahrgemeinschaften nach Beesten, um die Heimatprimiz von Helmut Schumacher mitzufeiern. In der St.-Servatius-Kirche, die wie auch ihr Umfeld festlich geschmückt war, begingen sie gemeinsam mit unzähligen anderen Gläubigen und der Familie Schumacher den festlichen Gottesdienst. Musikalisch begleitet wurde dieser auch von unserem Organisten Thomas Engler. Der anschließende Empfang, an dem auch die Bremer Gäste teilnahmen, war „äußerst herzlich“, es gab viele Reden und noch mehr Geschenke. Danach konnten sich die Teilnehmer bei einer Grillparty stärken. Nach der Non, dem Stundengebet um 15 Uhr, gab es Kaffee und Kuchen vom Konditor, und die Marianer machten sich gegen Abend etwas müde, aber sehr froh und dankbar für das Erlebte auf den Heimweg.

Nur eine Woche später, am Sonntag, 7. Juni, am Tag der Europawahl, wurde wieder Primiz gefeiert, und zwar in der St.-Marien-Kirche. In St. Josef entfiel aus diesem Grunde die heilige Messe und in St. Marien war die übliche Anfangszeit der Sonntagsmesse wegen des besonderen Primizgottesdienstes um eine Stunde nach hinten verlegt worden. Trotz des späteren Beginns waren die ersten Kirchgänger aber bereits vor 9.30 Uhr vor Ort, möglicherweise aus Unkenntnis über die geänderten Zeiten oder weil sie dachten, die Kirche wird so voll, da ist es angebracht, tunlichst früh zu erscheinen. Es gab allerdings auch schon was zu hören und zu sehen für die „Frühen“: Der Kirchenchor St. Josef/St. Nikolaus, der zusammen mit der Musikgruppe JoiN die Primizfeier musikalisch gestaltete, stimmte sich bereits ein, und die Pastoren Robert Wagner und Daniel Brinker gaben letzte „Regieanweisungen“ für die kurz bevorstehende Primizfeier.

Um 10.30 Uhr zogen dann Kaplan Helmut Schumacher und seine Mitzelebranten Robert Wagner, Daniel Brinker und Diakon Michael Wiegandt zusammen mit 25 Meßdienerinnen und Meßdienern, Kommunionausteilerin und Lektorinen hinter dem Kreuzträger in die bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche ein. „Aller guten Dinge sind drei am Dreifaltigkeitssonntag!“ So begrüßte Pastor Robert Wagner die Gläubigen, unter denen auch Helmut Schumachers Eltern, Schwester und Schwager waren, und meinte damit nicht nur Vater, Sohn und Heiliger Geist, sondern auch die drei Gottesdienste mit Helmut Schumacher in den letzten acht Tagen: Die Weihe im Osnabrücker Dom, die Heimatprimiz in Beesten und nun die Primizfeier in St. Marien.

Der 33jährige gebürtige Emsländer, der während seines Diakonats viel gelernt hat von seinem Vorredner, hatte seine eigene ebenfalls heitere Sicht dieser drei Dinge: „Aller guten Dinge sind drei: Robert hat heute Namenstag, Daniel feiert seinen 6. Weihetag und dazu kommt noch die Primiz! Es ist schön, heute Morgen wieder hier in Bremen zu sein!“, fügte er dann zur Freude der Gottesdienstbesucher noch hinzu. Der Neupriester trug ein Meßgewand, das ihm „fleißige Frauen aus Beesten“ angefertigt und geschenkt hatten. Die Stickereien auf dem Gewand symbolisieren „Christus, der mitgeht“, erklärte Helmut Schumacher den Anwesenden, die mit ihm begeistert die heilige Messe feierten, und machte deutlich: „Darauf kommt es an in unserem Glauben.“

So humorvoll wie sie begann, neigte sich die Primizfeier auch dem Ende zu: Ulrike Kehlbeck-Staats, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, ließ Helmut Schumachers Diakonat noch einmal Revue passieren. Frei nach den Brüdern Grimm erzählte sie das Märchen von Frau Holle, Hauptdarsteller: der ehemalige Diakon. Sie dankte ihm für seine Offenheit, Bescheidenheit, Freundlichkeit und sein Engagement während seiner Zeit in unserer Gemeinde und drückte damit aus, wie schwer es allen fiel, Helmut Schumacher gehen zu lassen. Mit launigen Worten überreichte sie ihm dann namens der Gemeinde – ganz wie im Märchen –  symbolisch einen Sack voller Geld als „kleine Mitfinanzierung für ein größeres Projekt“.

Kaplan Schumacher bedankte sich sichtlich berührt nicht nur für das Geschenk, sondern auch für die „rundum schöne und bewegende Zeit in Freud und Leid in St. Marien“, die er als „großes Geschenk für sich“ gesehen hat. Sein Dank galt auch seinem Mentor Robert Wagner, der ihn eigenständig arbeiten ließ und mit dem ihn eine große Übereinstimmung über die Form der Liturgie verbindet. „Probier dich aus, hier kannst du noch Fehler machen, finde deinen Stil”, gab ihm dieser vor einem Jahr mit auf den Weg für das Diakonat.

Robert Wagner dankte schon vorab dem Pfarrgemeinderat und allen Helfern, die zum Gelingen der Feier beitrugen. Dann lud er in Anlehnung an das Musikstück „Gaudio magnificat“, kurz vorher dargeboten vom Kirchenchor St. Josef/St. Nikolaus und der Musikgruppe JoiN, alle Anwesenden ein zur „großen Gaudi“ im Anschluss an die Primizfeier. Was sonst Bremens Ex-Bürgermeister Hennig Scherf vorbehalten ist, durfte nun Wagners ehemaliger Diakon erledigen: „Helmut darf heute ganz viele Menschen umarmen, Sie können das gleich ausprobieren!”

Vor dem Auszug wurden die Gläubigen gebeten, noch ein wenig auszuharren auf ihren Plätzen, denn es sollte noch eine Grußbotschaft übergeben werden. Thomas Engler an der Orgel mußte die Wartezeit improvisierend überbrücken und wählte dafür spontan den „Marsch der Priester“ aus einem Mendelssohn-Oratorium. Dann trat, schon zum Gaudium der Feiernden, der „Konvent“ der „JoNi-Family“ – bestehend aus sechs „Schwestern“ und zwei „Brüdern“ auf und sang zur Freude aller und zum Lobe Helmut Schumachers.

Irgendwann mußte es ja mal passieren, aber ausgerechnet an diesem Tag? St. Marien, seit Monaten von der Sonne verwöhnt, erlebte an diesem ersten Sonntag nach Pfingsten einen naßkalten, regnerischen Vormittag, so dass die sich an den Gottesdienst anschließenden „netten Stunden mit Helmut“ vom Pfarrgarten in die Turnhalle verlegt werden mußten. Das tat der „Gaudi“ allerdings keinen Abbruch. Bei guter Stimmung wurde umarmt, gegessen, getrunken und viel miteinander gesprochen. Auch gesungen wurde am Ende noch einmal: Der JoNi-Family-Familienkreis bezog dabei alle Mitfeiernden in den Refrain mit ein. Helmut Schumacher kam bei diesem Vortrag die Rolle zu, ein Schild hochzuhalten auf dem stand: Heute ist nicht alle Tage, ich komme wieder, keine Frage!“ – Die St.-Marien-Gemeinde wird ihn beim Wort nehmen.