St. Marien

Katholische Kirchengemeinde im Bremer Westen

Besuch der jüdischen Synagoge in Bremen am 28.09.2008Organisiert wurde dieser Besuch vom Frauentreff St. Josef / St. Nikolaus, teilgenommen haben neun Frauen aus allen vier Standorten.

Bewegt und nachdenklich verließen wir nach etwa drei Stunden das jüdische Gemeindezentrum, vorbei an einem Überwachungsmonitor und Kameras, ein Sicherheitsmann öffnete uns das Tor im schön verzierten schmiedeeisernen Zaun, der das gesamte Gelände umgibt. Wir hatten ein sehr offenes und lebhaftes Gespräch hinter uns mit 15 jüdischen Frauen, die sich, wie wir, regelmäßig in der Gemeinde treffen und religiöse und alltägliche Belange miteinander teilen. Sie hatten uns zur Stärkung einen herzhaften Imbiss vorbereitet nach russischer Art, denn die meisten Mitglieder der jüdischen Gemeinde kommen aus der ehemaligen Sowjetunion.

Begonnen hatte unser Besuch mit einer hochinteressanten Einführung im Gottesdienstraum der Synagoge. Wir erfuhren Wissenswertes aus der Geschichte der Juden in Bremen und über den langsamen Wiederaufbau der Gemeinde nach der Zerstörung in der Nazizeit, wir sahen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Ausgestaltung der Synagoge zu unseren katholischen  Kirchen und wir erfuhren, dass die Symbole und Gegenstände, die das Gotteshaus schmücken und für den Gottesdienst verwendet werden, alle auf Ereignisse aus der frühen Geschichte des jüdischen Volkes verweisen, die zunächst mündlich überliefert und etwa ab tausend Jahre vor Christus in der Thora festgehalten wurde. Wir bewunderten die sechs Thora-Rollen mit ihren schönen „Mänteln“ aus Samt und ihren Silberhauben und waren beeindruckt von den überaus sorgfältig ausgeführten Handschriften.

Im anschließenden Gespräch wurden wir nach unseren Erwartungen an diese Begegnung gefragt und wir erkannten für uns, dass wir überrascht waren über die Offenheit und Herzlichkeit, mit der wir empfangen wurden. Wir stellten fest, dass die Geschichte auch in uns, die nach dem Krieg geboren sind,  ihre Spuren hinterlassen hat. Zwar empfinden wir nicht unbedingt mehr Schuldgefühle, weil wir Deutsche sind, spürten aber doch deutlich eine Befangenheit gegenüber den jüdischen Mitbürgerinnen. Auf der anderen Seite berichtete eine Frau, die Tochter von Überlenden des Holocaust ist, dass das Gefühl von Angst ihr ständiger Begleiter ist. Wir erfuhren von diskriminierenden und schlimmen Erlebnissen, aber auch von positiven Erfahrungen hier in unserem Land. Die Jüngste unter uns, in den 60ern geboren, erzählte, wie sehr sie darüber geschockt gewesen sei, was sie im Geschichtsunterricht über den Holocaust erfahren habe. Darauf antworteten unserer jüdischen Gastgeberinnen, dass sie nicht mehr nur als Opfer gesehen werden wollen, sondern als „ganz normale Menschen“ wie wir auch.

So gestaltete sich dann auch dieses Treffen. Unsere Gastgeberinnen machten es uns durch ihre Herzlichkeit, Direktheit und Aufrichtigkeit leicht, unsere Befangenheit abzulegen, so dass diese Begegnung zu einem interessanten und lebendigen  Austausch unter „ganz normalen Frauen“ verschiedener Konfession werden konnte.