St. Marien

Katholische Kirchengemeinde im Bremer Westen

Bild 51Unterwegs im Land der Kaschuben und Störche. „Aktive Senioren” St. Mariens bereisten den Norden Polens.

Die Zahl Zwölf hatte schon immer eine besondere Bedeutung, in der Bibel und auch sonst. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass die zwölfte Reise der „Aktiven Senioren” der Gemeinde ein eindrucksvolles Erlebnis für die insgesamt 46 Teilnehmer war, die sich am Sonntag, 10. Juni, auf den Weg machten.

In Zeiten von Ozonloch und Klimawandel braucht man nicht mehr in den Süden fahren. Schwitzen kann man auch im Norden Polens, das merkten die Reisenden als sie am Sonntagnachmittag in Stettin ankamen und „auf eigene Faust” die Stadt an der Oder erkundeten. Das gute Wetter blieb ihnen auch auf der weiteren Reise erhalten, die zunächst nach Danzig und in die Kaschubische Schweiz führte. In Gdańsk staunten die „Aktiven Senioren“ über die Kunstfertigkeit der polnischen Restaurateure, welche die fast völlig zerstörte Altstadt liebevoll restauriert hatten. „Dom Muzyka“, „Das Haus des Musikers“ hieß das Hotel in Danzig. Ein ehemaliges Kasernengebäude beherbergt heute eine Musikakademie und ein Hotel. Für die Bremer hatte es zwei „Gesichter“, das eine mit Zimmern zur Schnellstraße hin und das andere (angenehmere) mit Unterkünften zum ruhigeren Hof. Endlose Lindenalleen, die vielen Erdbeerverkäufer und immer wieder Störche in ihren Nestern links und rechts der Straße beeindruckten die Reisegruppe weiterhin auf ihren Ausflügen von Danzig in die Kaschubische Schweiz.

Wie immer wenn „Gemeinde” – oder ein Teil davon – unterwegs ist, werden auch Kirchen besucht. In Danzig hörten die „Marianer” dabei ein Orgelkonzert in der Kathedrale von Oliwa. Einmal in der Ostsee baden, diese Gelegenheit wurde im mondänen Seebad Zoppot von einigen Mitfahrenden teils voll und teils nur mit den Füßen genutzt. Kaschubische Folklore gab es am Abend, und die Bremer sangen, tanzten und mischten fleißig mit an Brummtrommel und Teufelsgeige und tanzten fleißig Polka.

Die Marienburg, der Welt größte aus Ziegelsteinen gebaute Burg, wurde am nächsten Tag besichtigt. Das Mittagessen danach, bestehend aus Käse, Weißbrot und Rotwein erinnerte wie das Wetter eher an den Süden Europas, schmeckte und hob aber auch die Stimmung in Polens Nordosten. In Frombork, dem ehemaligen Frauenburg, sangen die Bremer im Dom „Lobe den Herren”. Bei der Textstelle „der dich . . . sicher geführet” mögen einige auch daran gedacht haben, dass in Zeiten häufiger Busunglücke dank der guten Betreuung durch Busfahrer und Organisatoren bisher alles so gut verlaufen war. Überhaupt die Busfahrt: Sie begann jeden Morgen – soweit man unterwegs war –  zweimal mit einem Wort zum Sonntag und sonst mit einem Wort zum jeweiligen Wochentag. Marlies Lüer las über die Lautsprecheranlage des Busses Besinliches vor, und anschließend kümmerte sich ihr Mann Dieter um das „leibliche Wohl“ der Reisenden indem er Süßigkeiten verteilte.

Je näher man dem eigentlichen Ziel kam, umso öfter tauchte ein wegweisendes Schild auf: Grudziądz soundso viele Kilometer. Grudziądz, diese Stadt an der Weichsel hieß früher einmal Graudenz. So blieb es nicht aus, daß der aus Ostpreußen stammende Mitreisende Bruno Graudenz immer wieder erklären musste „wie es dazu kam, dass in Polen eine Stadt nach ihm benannt wurde. Seine humorige Antwort bewies, dass diese Erkenntnis nicht neu war: Schon bei einer früheren Busreise im damals noch kommunistischen Polen hatte der Reiseleiter die Gesellschaft im Bus darauf hingewiesen, dass „unter ihnen ein „Kapitalist“ sei, der in Polen eine eigene Stadt besitze“.

Den Oberländischen Kanal, wo Schiffe nicht nur auf dem Wasser, sondern auch über Land fahren, kannten viele aus dem Fernsehen, nun konnten sie ihn selbst befahren und dabei einen Höhenunterschied von hundert Metern bewältigen. Das passierte auf der Fahrt von Danzig nach Masuren, wo die „Marianer” in Mikołajki (Nikolaiken) Quartier nahmen. Nun gab es links und rechts des Weges außer vielen Storchennestern auch die reichlich vorhandenen masurischen Seen zu bestaunen. Überhaupt die Landschaft: sie verzauberte nicht nur die in Ostpreußen geborenen „Heimwehtouristen” unter den Mitreisenden, sondern beeindruckte alle Reiseteilnehmer gleichermaßen.

Das Hotel Gołębiewski in Nikolaiken (Mikołajki) war nicht nur ein schönes  Hotel, sondern auch ein großes, in dem man schon mal, zumindest gefühlt, verloren gehen konnte. Große Aufregung herrschte eines Abends vor einem der vielen Fahrstühle: Reinhold, einer der Mitreisenden, war verschwunden und wurde von Frau und Freunden gesucht. Sie vermuteten ihn im Fahrstuhl und wunderten sich, als auf der Anzeige der fünfte Stock angezeigt wurde. „Was will der denn da oben, was soll denn das?“ Was den Wartenden allerdings entgangen war: Reinhold war längst auf anderem Wege „nach Hause“ zum Zimmer zurückgekehrt und wunderte sich nun seinerseits, dass die anderen nicht da waren.

Nachdem am Freitagmorgen bei einer Kutschfahrt dicke Luft vorherrschte, gab es nachmittags ein (reinigendes) Gewitter. Donner, Blitz, Stark­regen und Hagel machten eine Schiffsfahrt auf dem Spirdingsee zu einem unvergesslichen Erlebnis. Mit „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern” trotzten die „Aktiven Senioren” den Unbillen der Natur. Abends beim geselligen Beisammensein gab’s ebenfalls Gesang und dazu heitere Sketche.

Wolfsschanze? Mückenschanze hätte am nächsten Tag besser gepasst! Die Überreste dieser Festungsanlage, in der am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler scheiterte, erinnerten an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Danach war die Wallfahrtskirche von Heilige Linde ein kultureller Höhepunkt im umfangreichen Besichtigungsprogramm. Die barocke Pracht und die beweglichen Figuren der Orgel wurden bestaunt. Höhepunkt war aber ein gemeinsames  spontanes Musizieren. Die Bremer sangen, dirigiert von einem Jesuitenpater, wechselweise mit einer polnischen Touristengruppe.

Eine der vielen Attraktionen auf einer Masurenrundfahrt am Sonntag, dem 17. Juni, war die Besichtigung des Philipponenklosters der Altgläubigen im ehemaligen Eckertsdorf. Ausruhen und die Landschaft genießen konnten die „Marianer” danach bei einer schattigen Bootsfahrt auf dem Flüsschen Krutynia. Dabei erinnerten sich einige an eine frühere Fahrt in den Spreewald, denn auch hier in Masuren wurden die Boote gestakt. Eine Stadtführung durchs heiße Allenstein stand als nächstes auf dem Programm.

Zu Gast auf einer „Bauernhochzeit“ waren die Reisenden am späten Sonntagnachmittag. Was tun, wenn dabei das Brautpaar fehlt? Praktisch veranlagt wie die „Marianer” nun einmal sind, hatten sie nicht nur Getränke und Verpflegung für unterwegs mit, sondern auch ein Brautpaar mit „an Bord”. Rita und Hermann Sandkühler, seit fast 40 Jahren verheiratet, ahnten allerdings nichts von ihrem Glück, bevor die klugen Pferde sie für diese Rolle aussuchten. Aber sonst war’s wie auf einer richtigen Hochzeit: Musik, Tanz, reichlich Essen und Trinken sorgten für gute Stimmung bei allen Beteiligten.

Letzte Etappe der Reise war einen Tag später, am Montag, dem 18. Juni, die Messestadt Posen. Auf dem Weg dahin besichtigten die Bremer das sehenswerte Thorn, heute Toruń. Die Stadt des Nikolaus Kopernikus und der Katharinchen liegt malerisch an der Weichsel, aber an diesem Tag lag sie nicht nur dort, sondern auch im Regen. Da bot es sich an, in einem Katarzynky-Laden Zuflucht zu suchen und dort solange die verschiedenen Lebkuchenspezialitäten einzukaufen bis der Regen zumindest etwas nachließ. In Posen wurde abends die Altstadt besichtigt und anschließend in einem historischen Restaurant gemeinsam gegessen. Auf dem Heimweg am nächsten Morgen konnten die Reisenden den „alltäglichen Wahnsinn” auf einer Transitstrecke, der E 40, beobachten, bevor sie nach 2954 Kilometern Fahrt „gut behütet”  wieder im Bremer Westen ankamen.

Der Dank aller Teilnehmer an dieser schönen, erlebnisreichen Reise gilt auch dieses Mal wieder Marlies und Dieter Lüer, die Vorbereitung und Durchführung dieser Fahrt  mit viel Liebe und Engagement betrieben haben .