St. Marien

Katholische Kirchengemeinde im Bremer Westen

Gründungsgottesdienst in St. NikolausSeid mal am besten eine halbe Stunde vorher da, dann bekommt ihr noch einen Parkplatz und auch noch einen Platz in der Kirche, das war der Rat von Kundigen an diejenigen, die sich weder in Gröpelingen auskannten noch die Nikolauskirche jemals von innen gesehen hatten.

 Ganz so schlimm war es dann aber doch nicht, am Samstag, 13. Januar, als um 17 Uhr der Gründungsgottesdienst für die neue St.-Marien-Gemeinde in der Nikolauskirche Beim Ohlenhof stattfand. Auch wer zehn Minuten vorher da war fand noch Platz. Erst die ganz pünktlichen Besucher dieses besonderen Gottesdienstes, die zusammen mit Pastor Michael Wehrmeyer, Pastor Robert Wagner, Diakon Michael Wigandt und den Ministranten „einzogen”, mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.

Die Schola St. Marien unter der Leitung von Patrick George sang zu Beginn das Lied „Here we are”, und Pastor Robert Wagner griff diesen Liedtext in seiner Begrüßung auf: „Hier sind wir . . ., zusammen sind wir verschieden . . ., die Zukunft, die Kirche und die Hoffnung tragen unser Gesicht”, zitierte er und drückte damit aus, dass es die Menschen vor Ort in den Kirchen sind, welche die neue Gemeinde mit Leben erfüllen müssen.

Wagners Freund und Amtsbruder Michael Wehrmeyer hätte seinen Lebensunterhalt auch leicht in der Unterhaltungsbranche verdienen können, bei dem Talent was er als Schauspieler, Regisseur und Dramaturg hat. Zum Glück für die Katholiken des Bremer Westens hat er sich ja für seine seelsorgerische Berufung entschieden. Er bezog sich in seiner Predigt auf das Trauungszeremoniell und das an diesem Samstag aktuelle Johannesevangelium, und zwar auf die Hochzeit von Kana. „Willst Du, St. Josef, deine Braut St. Marien zur Frau nehmen, dann antworte mit Ja”, war seine Frage zu Predigtbeginn an die Gottesdienstteilnehmer. Keiner von denen antwortete mit Ja, aber (zum Glück) auch keiner mit Nein!

Wehrmeyer drückte weiter sein Verständnis aus für die Gläubigen, von denen wohl kaum einer diese „Hochzeit” gewollt hätte, alle Gemeinden wären wohl lieber Singles geblieben. Aber er machte den Anwesenden auch Mut, in dem er wieder gleichnishaft auf den Evangeliumstext zurückkam: „Es ändert sich nicht so sehr viel für die Gläubigen, anstatt in vier verschiedene Fässer füllen wir unseren Wein ab jetzt in ein Faß”, was heißen soll, jeder der etwas einbringt, tut dies nun für eine zusammenzuführende im Werden befindliche Gemeinschaft.

Robert Wagner wies später – ebenso wie es schon in den Fürbitten zum Ausdruck kam –,  noch einmal darauf hin, dass es nicht nur die vier Kirchen sind, die den „Pastoralen Raum Bremer Westen” bilden, sondern dass die neue Gemeinde St. Marien eben auch nur ein Teil des Ganzen ist, zusammen mit den Kindertagesstätten, den katholischen Schulen, der Gefängnisseelsorge, der St. Johannis Kinder- und Jugendhilfe, der Caritas und der Krankenhausseelsorge. Die Vernetzung all dieser Institutionen ist eine sinnvolle und notwendige Maßnahme zum Wohle und Nutzen der daran Beteiligten.

Für eine neue Gemeinde mussten auch die hauptamtlichen Mitarbeiter neu ernannt werden. Die betreffenden Dokumente des Bischofs wurden gegen Ende des Gottesdienstes verlesen. Danach sollen Robert Wagner und Michael Wehrmeyer die Gemeinde St. Marien solidarisch leiten. Da es aber unter Gleichen auch eine gewisse Ordnung geben muss, wurde Pastor Robert Wagner vom Bischof zum „Moderator” ernannt. Als Moderator ist Wagner auch gleichzeitig Vorsitzender des Kirchenvorstandes.

Bei dem anschließenden Empfang zeigten sich die Ehrenamtlichen der Nikolauskirche als aufmerksame und herzliche Gastgeber. Dass eine Gemeinschaft aber nicht so von oben bestimmt werden kann, sondern sowohl zusammengefügt als auch zusammenwachsen muss, war allerdings auch zu sehen: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört”, sagte seinerzeit Willy Brandt beim Vollzug der Deutschen Einheit. Gleiches gilt auch für die Katholiken des Bremer Westens. Aber so, wie die Einheit in Deutschland zurzeit noch nicht komplett vollzogen ist, wird es auch in St. Marien eine gewisse Zeit brauchen, bis alle eine Gemeinde geworden sind.